Ich stoße auf Halle an der Saale. Später erfahre ich, dass viele meiner Kommilitonen und Kommilitoninnen auf die gleiche Art auf die MLU aufmerksam wurden. Ich will einfach nur Jura studieren, informiere mich nicht groß, und bevor ich es mir anders überlegen kann, bin ich eingeschrieben.

Die Reaktionen sind gemischt:

„Was, Halle? Du ziehst in den Osten?“
„Halle! Da war ich als Jugendlicher mal. Die Altstadt ist sehr charmant!“
„Sicher, dass das eine gute Idee ist? Hast du die Wahlergebnisse dort gesehen?“
„Du findest sicher schnell Freunde. In Berlin wärst du im ganzen Trubel untergegangen.“,
„Wo liegt das überhaupt?“

The list goes on.

Paulusviertel Halle David Köster

Eingeschrieben bin ich ja schon, also bleibt mir nichts anderes übrig, als hinzuziehen. Ich fahre allein in eine mir komplett unbekannte Stadt, um dort zum ersten Mal in meinem Leben eine Wohnung zu besichtigen. Ich fühle mich etwas unwohl, aber gleichzeitig freue ich mich auf das Neue.
Es ist schon fast verrückt, wie schnell man in Halle an eine günstige Wohnung kommt. Nach wenigen Tagen Wohnungssuche werde ich fündig und kurze Zeit später ist der Mietvertrag unterschrieben. In welcher Stadt rufen Vermieter die Mieter an?? Was für ein Service!

Die Altstadt hat tatsächlich ihren Charme. Noch besser gefallen mir aber die nördliche Innenstadt, das Paulusviertel und Giebichensteinviertel - geprägt von netten und teilweise unscheinbaren Cafés, vielen jungen Leuten, interessanten Häusern und der Nähe zur Peißnitz. Alles Dinge, die einem nicht sofort auffallen. Mir zumindest nicht. Denn, was ich als Erstes zu sehen bekomme, ist die Silberhöhe. Nicht unbedingt das Highlight meiner Zeit in Halle, aber jede Stadt hat sein Lichtenberg.

Paulusviertel Innenstadt Halle Saale Wohnen Wohngebiet David Köster
Nördliche Innenstadt Halle David Köster

Der erste Tag an der Uni ist das Aufregendste überhaupt. Am auffälligsten ist für mich, wie offen und freundlich alle aufeinander zugehen (keine Sorge, das lässt mit der Zeit nach). Man weiß gar nicht so richtig, wohin, denn überall sind interessant aussehende Personen und man will irgendwie alle kennenlernen. Zunächst muss man sich aber auf den Unikram und das Wesentliche konzentrieren: Info-Veranstaltungen besuchen, den Studierendenausweis validieren, panisch nach der nächsten Toilette suchen und verkrampft versuchen, locker und cool auszusehen. Ich bin das ultimative Ersti-Küken. Noch planloser als Harry am ersten Tag in Hogwarts.

Nach fast drei Jahren in Halle kann ich über mich als Ersti nur lachen. Ich fühle mich auf dem Campus mittlerweile echt wohl. Anfangs tat ich mich schwer und wollte die Stadt nicht so richtig an mich ranlassen, aber jetzt ist Halle ein weiteres Zuhause für mich - und hiermit beende ich meine Werbung für das CHE-Hochschulranking.