Stephan Retzlaff Stephan Retzlaff
v.l.n.r.: Linus Arfert und Georg Münnich vor ihrem Sanaleo-Geschäft in der Ludwig-Wucherer-Straße 33

Jenseits von Kiffer-Klischees

Geschmackvoll ist es eingerichtet, das Sanaleo-Geschäft im Herzen Halles, in dem seit Mai 2020 Cannabidiol, kurz CBD, verkauft wird. Auf die Frage, was CBD sei, fangen Linus Erklärungen geduldig an: „CBD wird hauptsächlich aus der weiblichen Cannabispflanze gewonnen, es wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als nicht-psychoaktives Cannabinoid eingestuft, welches kein Abhängigkeits- oder Missbrauchspotenzial aufweist.“ Sollten sich irgendwelche Kiffer-Klischees einstellen, kann man die getrost in die Ecke stellen. Georg, Jahrgang 1999, formuliert es so: „Tetrahydrocannabinol, kurz THC, das auch aus der Hanfpflanze gewonnen wird, löst einen Rausch aus. CBD nicht.“ Auch das höchste Gericht der EU (EuGH) legte Ende November 2020 noch einmal fest, dass CBD nicht als Suchtstoff gewertet werden kann.

Stephan Retzlaff Stephan Retzlaff
Im geschmackvoll eingerichteten Laden steckt eine Menge Arbeit, er wurde mit eigenen Händen renoviert.

Das Angebot

Heute kann man CBD in Salben, Nahrungsergänzungsmitteln, Teesorten oder in Form der getrockneten Hanfblüte kaufen. „Wir haben bislang verschiedene CBD-Aroma-Öle, CBD-Vaporizer sowie CBD-Aromablüten im Sortiment“, so der gebürtige Rostocker Linus. Zudem gibt es verschiedene Nahrungsmittel wie zum Beispiel Hanfsamenöl, Hanfprotein oder geröstete Hanfsamen, Kosmetikartikel auf CBD-Basis sollen folgen. Linus, Jahrgang 1995, betont: „Bei uns sind alle Produkte aus zertifizierter Herstellung und die durchgehend hohe Qualität hat bei uns absolute Priorität.“ Aber warum sollte man so etwas kaufen? Georg erklärt: „Es gibt Studien, die belegen, dass CBD bei Schlafstörungen, Schmerzen, Angstzuständen und Übelkeit helfen kann. Es regt die Muskelregeneration an, ist gut für die Haut und kann helfen, Stress abzubauen.“ Zudem wird CBD in Arzneimitteln verwendet, die das Leben mit Nervenkrankheiten wie Multiple Sklerose oder Epilepsie erleichtern können. Ständig stehe man im Austausch mit der Kundschaft, dazu gehört eine professionelle Beratung über CBD-Gehalte, über individuelle Handhabungen und über die Lieferketten der Produkte. Nachhaltigkeit und Transparenz heißen die großen Leitprinzipien. Zudem gibt es einen Ausstellungsraum, in dem lokalen KünstlerInnen die Möglichkeit gegeben wird, ihre Werke zu zeigen.

Mathias Schulze Mathias Schulze
Bei Sanaleo wird individuell beraten.
Mathias Schulze Mathias Schulze
Die Kundschaft in der Ludwig-Wucherer-Straße geht durch alle Altersgruppen.
Stephan Retzlaff Stephan Retzlaff
Im Sanaleo-Geschäft gibt es auch einen Ausstellungsraum für KünstlerInnen

Der Weg in die Selbstständigkeit

Und wie kommt man dazu, ein CBD-Geschäft zu eröffnen? „Langjährige Freunde haben in Leipzig ein Start-up gegründet und das Grundgerüst aufgebaut“, so Linus. Georg erzählt, dass die Freunde angefragt haben: Wollt ihr einen Laden in Halle eröffnen? Durch diese Unterstützung war eine Existenzgründung relativ einfach. “Wenn man weiß, was man machen muss, ist es nicht so schwer”, so Georg, der sich eine Checkliste für Jungunternehmer wünschen würde: “Schön wäre es, wenn es beispielsweise von der Stadt eine Existenzgründungsliste mit allen Anlaufstellen und Telefonnummern geben würde, die man im Netz runterladen kann, so dass man als Neuling nichts vergisst.”

Die Gefahr der Gentrizifierung

Linus berichtet davon, dass sie sehr froh sind, in der Ludwig Wucherer-Straße einen Laden gefunden zu haben: “Das Geschäft stand hier gut acht Jahre leer, innerhalb von fünf Monaten haben wir alles selbst renoviert.” Und Georg ist froh, dass sich der Traum von der eigenen Existenz in seiner Heimatstadt realisieren ließ: “Halle ist eine moderne, sehr junge und sehr studentische Stadt. Die Wege sind kurz, der Freundes- und Bekanntenkreis ist gut vernetzt. Halle ist nicht so überlaufen wie Berlin oder Leipzig.” Als Linus 2016 in die Saalestadt gezogen ist, war er verblüfft, wie viel “Leerstand es hier noch gab”. Plagen sich die Kreativen der Großstädte mit einer Gentrizifierung herum, so gibt es in Halle noch einige Gestaltungsräume. “Ich hoffe, dass die Stadt Halle aus den Fehlern anderer Städte lernt und sich für den Erhalt bezahlbarer Räume einsetzt. Wäre die Ludwig-Wucherer-Straße schon komplett luxuriös hochsaniert, hätten wir und auch andere Kleinunternehmer keine Chance mehr. Das Glück einer lebendigen Kunst- und Kulturszene und der charmanten Läden sollte man nicht verspielen”, so Linus.

Wünsche und Tipps

Georg schaut auf die Uhr, gleich will er den Laden öffnen, trotz EU-Urteil vom November 2020 bleibt ein Wunsch bestehen: „Wir wünschen uns natürlich, dass CBD weiterhin auf dem freien Markt verbleibt. Eine bessere und präzisere Regelung des Verkaufes würde für alle vieles einfacher und auch besser machen.“ Und können die beiden Tipps für andere Existenzgründer geben? Georg lacht: “In diversen Workshops wird oft so getan, als ob man zehn Jahre BWL studiert haben muss. Das stimmt nicht, mit Geduld kann man sich reinfuchsen. Am besten ist, man denkt gar nicht so viel nach, sondern legt einfach los. Und vom Bürokratie-Kram sollte man sich nicht einschüchtern lassen.”

Sanaleo Halle, Ludwig-Wucherer-Straße 33, Mo. bis Fr. von 13 bis 19 Uhr, Email: halle@sanaleo-cbd.de, Tel.: 0177 3967694, www.sanaleo-cbd.de