Am Holzplatz 7a in Halle prägen sich die ersten Eindrücke sofort ein. Im Foyer des WUK Theater Quartieres, kurz WUK, liegen Flyer aus, der gefüllte Aschenbecher vor der Tür zeugt von Geschäftigkeit. Seit 2017 ist in das ehemalige Kulturhaus „Kurt Wabbel“ Leben eingezogen, eine vitale Gegenwart erinnert an die Spuren der Vergangenheit. Kaum ist Kurt Wabbel eingetreten, schon schnurrt ihm die Katze Madame um die Beine, charmant ist die Spendendose, die man zugunsten des Vierbeiners füllen darf. Es herrscht eine produktive Atmosphäre, eine Aura des Anpackens.

Ein Locus amoenus

Künstlerinnen und Künstler kommen und gehen, tagsüber wird geprobt, am Abend gibt es regelmäßig Lesungen, Theaterstücke und Konzerte. Im anliegenden Hof, der im Sommer auch für ein Freiluftkino genutzt wird, sitzt man unter lieblichen Bäumen, gegenüber dreht auf einem riesigen Schornstein der Stern eines bekannten Autobauers nimmermüde seine Runden. Ein Locus amoenus mit modernen Brüchen.

Elsa Weise
Haben eine fast symbiotische Theaterhandschrift gefunden: Tom Wolter und Elsa Weise.

Das WUK-Team besteht aus drei sich fest und zwölf sich frei engagierenden Personen

Das Team des WUK besteht aus drei sich fest und zwölf sich frei engagierenden Personen. Da gibt es beispielsweise den künstlerischen Leiter Tom Wolter, die Produktionsleiterin Nicole Tröger und die Theatermacherin Elsa Weise. Elsa, Jahrgang 1985 und gebürtige Hallenserin, atmet tief durch und rekapituliert die Historie: „Tom habe ich 2012 inmitten einer Gesprächsrunde der freien Theaterschaffenden kennengelernt.“ So tauschte man sich aus, so entstand die erste gemeinsame Produktion „Das Krokodil“ nach Dostojewski. 2013 gründete Tom das Studierendentheater der Universität Halle, dort entwickelte er mit Elsa eine fast symbiotische Handschrift.

Steffen Schellhorn
Tom Wolter und Nicole Tröger vor dem ehemaligen Kulturhaus „Kurt Wabbel“.

Ein interkulturelles Angebot für alle

Heute ist Elsa freiberufliche Figurenspielerin und fester Bestandteil des organisch gewachsenen WUK-Kollektivs, das am Holzplatz eine Stätte gefunden hat, „wo wir uns definieren können, wo wir auch unseren Partnern Raum für Proben und Aufführungen anbieten können“.  Nebenbei hat das Künstlerkollektiv auch einen lange abseits gelegenen Ort in der Saalestadt aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Ab 2017 folgte ein selbstständiger Aus- und Umbau nach dem anderen, man gründete den Verein „Werkstätten und Kultur Halle“, es gab Crowdfundingaktionen für die technische Ausstattung – schließlich hat man das Objekt am Holzplatz gekauft. Tom erklärt: „Wir bieten ein interkulturelles Angebot, wir sind ein Auseinandersetzungsort für zeitgenössische Kultur – und zwar für alle, also von den Kindern bis zu den Senioren.“

Halle – eine unglaubliche Netzwerkstadt

Elsa, die auch unabhängig vom WUK deutschlandweit Theaterprojekte durchführt und von 2007 bis 2010 ein Figurentheaterstudium in Stuttgart absolvierte, kann Vergleiche ziehen. Für sie ist die Stadt Halle „eine unglaubliche Netzwerkstadt“. Seit sie seit 2011 wieder in ihrer Heimatstadt ist, kommt ein erneuter Umzug nicht infrage: „Über meine Projektarbeiten habe ich gemerkt, wie viele verschiedene künstlerische Persönlichkeiten es in Halle gibt“, so Elsa, die „die „Hungrigkeit und die Verwirklichungsantriebe der Menschen“ betont. In Halle könne man Nischen finden und besetzen: „Es gibt immer noch Orte, die mir unbekannt sind, und diese noch nicht betretenen Pfade sind für uns Künstler enorm reizvoll.“

Elsa Weise
Elsa Weise und Tom Wolter vom WUK Theater Quartier.

Das WUK als Plattform für die freie Szene

Auch das WUK versteht sich als ein Ort, der eine ermunternde Plattform bieten will. Elsa erzählt: „In Halle gibt es eine große künstlerische Hobbykultur, die sich aus sich selbst heraus professionalisiert hat.“ Nicht nur diese Menschen nehmen das WUK als Proben- und Spielstätte dankbar an. „Ich empfinde Halle als eine Stadt, die neben ihrer Verspieltheit immer ein bisschen einen Understatementcharakter pflegt. Dabei sind mir die letzten Jahre viele Kreative, die öffentlich kaum sichtbar sind, und viele verborgene Schätze aufgefallen. Halle ist eine Stadt voller Geschichten“, so Elsa, die sich für noch mehr Dialog zwischen den Akteuren, für noch mehr Bewusstmachung der kulturellen Reichtümer in der freien Szene ausspricht.

Das WUK will langfristig planen

Im WUK gibt es einen Theatersaal für gut 98 Zuschauer, im oberen Stockwerk gibt es eine Bar, Bücher zeugen von der letzten Lesung, im Keller sollen weitere Proberäume entstehen.  Für Tom, gerade wieder auf dem Weg in sein Büro, geht es gleich wieder an die Sichtung von Kooperationsanträgen aus ganz Deutschland. Zudem müssen Förderanträge geschrieben werden, die Wertschätzung gilt es immer wieder neu zu erobern. Elsa erklärt: „Für das, was wir vorhaben, brauchen wir eine langfristige und mittelfristige Planung.“ Man kann sich sicher sein, am WUK wird weiterhin eine rege Betriebsamkeit herrschen.

www.wuk-theater.de