Majestätisch leuchtete die Erde vor den Augen der Astronauten der Apollo-8-Mission bei der Mondumrundung. Fast 13 Kilometer Durchmesser und in langsamer Rotation. Von ihnen stammte auch das erste Bild unseres blauen Planeten, das in den Medien so richtige Wellen schlug. Satelliten liefern mittlerweile sogar schon von entferntesten Planeten oder Phänomenen hochauflösende Bilder. Die Aufnahmen faszinierten in den 1960ern und tun es noch heute. Die schiere Größe des Weltalls und darin diese vergleichsweise kleine, fast zerbrechlich wirkende Leuchtkugel, auf der wir leben. Und doch haben wir die Erde wohl noch nie so wahrgenommen wie im Juni diesen Jahres, als sie direkt hier zu uns nach Halle gekommen ist. Vom 18. bis zum 21. Juni hing ein Abbild unserer Erde, die „Gaia“, in der Ulrichskirche, damit wir sie so sehen konnten, als blickten wir direkt aus dem Weltraum auf sie herab. Auch die „nur“ noch sieben Meter Durchmesser haben uns trotzdem noch recht klein fühlen lassen. Viele HallenserInnen haben diese Chance wahrgenommen, aber die Besuchszahlen aufgrund der Covid-19-Maßnahmen hatten natürlich Grenzen. Manche mögen sich vage daran erinnern, letztes Jahr eine ganz ähnliche Installation auf der Peißnitz gesehen zu haben. Damals war es ein Modell des Mondes, der unseren Planeten umkreist, gebaut vom selben Künstler namens Luke Jerram (UK). Sowohl Mond als auch Gaia sind im Rahmen einer Tour als Installation schon durch die ganze Welt gereist. Hier in Halle hingen die Himmelskörper aber nicht nur als kunstvolle Objekte, die schön anzusehen sind. Wahrscheinlich haben sie die BesucherInnen auch auf ganz anderer Ebene erreicht. Welche Gedanken kommen jemandem beim Anblick des Vollmonds? Wie fühlen wir uns, wenn die Erde, die sich eigentlich unter uns dreht, dann vor uns hängt? Die Kunstwerke ändern unsere Perspektive maßgeblich und regen an, nachzudenken. Mit diesem Anliegen haben die Veranstalter des SILBERSALZ Science & Media Festivals wohl auch beide Installationen nach Halle geholt.

Das Festival ist eine Fusion aus Wissenschaft und Medien, bei dem eben genau solche frischen Gedanken gewünscht sind. Der Blick wird auf aktuelles Zeitgeschehen und Forschung gelenkt, in einer Form, die für alle zugänglich ist. Völlig kostenfrei wird hier viel zum Anfassen und Ausprobieren, viel zum Mitdenken und Mitdiskutieren angeboten. Auch für Jugendliche gibt es ein gesondertes Programm, SILBERSALZ made by YOUth, in der Neustädter Passage 13. Hier wird Musik gemacht und getanzt und die jungen Leute bekommen Einblick in moderne Medientechnik. Die Passage 13 ist auch ab sofort wieder geöffnet.

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unsere Erde, "Gaia"
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"Museum of the Moon"

Zum ersten Mal fand SILBERSALZ 2018 statt und hat mit Themen wie Virtual Reality und Nachhaltigkeit schon den Ton des Festivals geprägt. 2019 ging es in Runde zwei. Es wurden unter dem Leitmotiv „The Science of Love“ große Gefühle wissenschaftlich auseinandergenommen und ganz nostalgisch 50 Jahre Mondlandung gefeiert. Neben wissenschaftlichen Talks, Ausstellungen oder Workshops findet auch an allen vier Tagen ein Filmfestival statt. Für 2020 wurden bereits Filme unter dem Motto „Heimat Erde“ zu hauptsächlich natur- und sozialwissenschaftlichen Themen eingereicht, wie etwa globalem Wandel oder Biodiversität. Man könnte sagen, thematisch knüpfen die Festivals immer direkt aneinander an. MedienmacherInnen und WissenschaftlerInnen bereiten sich nur auf eine neue Folge der Serie vor. Die Verschmelzung von Wissenschaft und Medien zeigt sich natürlich nicht nur auf dem filmischen, audiovisuellen Kanal, sondern auf allen Ebenen der Veranstaltung. Ganz besonders kann man das auch beim diesjährigen SILBERSALZprogramm wiedererkennen. Auch wenn das Festival coronabedingt erst am 14. Oktober richtig anlaufen wird, gab es schon im Juni die Gaia zu sehen und Gesprächsrunden zum Festivalthema zu verfolgen. Dabei waren physisch außer den ExpertInnen vor allem Kamerateams vor Ort und alles konnte live und im Nachhinein noch auf den Social-Media-Kanälen von SILBERSALZ mitverfolgt werden. Auch Fragen aus dem „E-Publikum“ erreichten die ReferentInnen dann über Facebook. Es drehte sich alles erst mal um unsere Erde und ihren Zustand, aber auch ihre Funktion als unsere Heimat, unser Zuhause. Wie viel mehr Erderwärmung können wir noch aushalten? Laut der Expertin Prof. Dr. Antje Boetius könnten wir die Generation sein, die mit den richtigen Maßnahmen ein nachhaltigeres Leben beginnt und damit die Erde schützt oder aber die den Untergang der Menschheit einläutet. Rückt unser Klima aber vielleicht gerade in den Hintergrund, da wir uns mit einer Pandemie konfrontiert sehen? Und welche Rolle spielt dabei die Medienberichterstattung? Zu diesen und ähnlichen Themen hat unter anderem auch der Leiter des Robert-Koch-Instituts Prof. Dr. Wieler gesprochen. Highlight dieses Gesprächsdiskurses ist wohl die interaktive Konferenz am 17. Oktober. Die gibt es dann ganz in echt in der Leopoldina, aber sie wird auch live übertragen.

Silbersalz Halle Festival Wissenschaft Joachim Blobel
Silbersalz Halle Festival Wissenschaft Joachim Blobel

Dazu kommen die interaktiven Projekte von WissenschaftlerInnen, WissenschaftsjournalistInnen oder anderen TeilnehmerInnen aus dem Bereich Medien, die man über ganz Halle verteilt an verschiedenen Locations finden kann. Die Projekte sind immer vielgestaltig und somit sind manche Angebote eher auf ExpertInnen zugeschnitten und andere wiederum nur auf Laien oder Fachferne. Wichtig ist aber: Bei allen kann man viel lernen und sich am aktuellen Diskurs beteiligen. Eine weitere Besonderheit für dieses Jahr ist die live gestreamte Preisverleihung, bei der Filme und Projekte, die die Anforderungen in außergewöhnlichem Maße erfüllen, geehrt werden sollen. Vor allem Inhalte, die die bewusste Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen, wissenschaftlichen oder medialen Themen fördern und sich dabei durch ihr Storytelling hervorheben, sollen ausgezeichnet werden. Das Ganze findet am 15.10. statt und lässt sich dabei sogar weltweit online von der Science-Media-Community verfolgen. Das zeigt wohl auch schon, wie einzigartig und bedeutsam das Festival sogar über deutsche Grenzen hinaus ist. Klar, die Debatte über unser Leben auf der Erde und seine nachhaltige Gestaltung beginnt oder endet nicht mit diesem Festival. Es kann uns jedoch einen Zugang bieten. Es beginnt möglicherweise mit einer Draufsicht auf unseren Heimatplaneten, den wir doch nur einmal haben. Und vielleicht führt uns dann das Festival wieder näher an uns heran und daran, was wir aktiv in unserer Zeit bewirken können und welche Mittel es auf lange Sicht gibt, ihn zu erhalten. Auf zukünftigen Bildern aus dem All wollen wir die Erde schließlich immer noch so leuchten sehen.

Ich werde dort sein und meine Erfahrungen mit euch auf deinhalle.de teilen:

SILBERSALZ 2020 vom 14. bis zum 18. Oktober 2020


Interessante Trivia, mit der man vor der Fam und den Freunden flexen kann:

Silbersalze sind chemische Verbindungen, die Silberionen enthalten. Seit dem frühen 18. Jh. weiß man, dass diese lichtempfindliche Teilchen besitzen. Diese Erkenntnis wird seitdem für die Entwicklung analoger Filme genutzt. Daher kommt auch der Name des Festivals, denn schon hier verbindet sich ein chemischer Prozess mit der Entstehung eines Mediums. Ergo: Wissenschaft und Medien in einem!

Die Fotografie Earthrise, wie sie später genannt wurde, war gar nicht vorgesehen. Die Astronauten der Apollo-8-Mission waren nur so verzaubert vom Anblick der Erde, die aus ihrer Perspektive hinter dem Mond aufging, dass sie nicht anders konnten, als das zu knipsen. Eigentlich geht das erste Bild auf Frank Bormans Kappe. Das war allerdings schwarz-weiß und darum nicht ganz so öffentlichkeitstauglich wie das farbige von William Anderson. Die Popularität und Reichweite des Bildes sorgten dafür, dass es gleichermaßen für die Amis zu einem „Weihnachtsmärchen“ während des Kalten Krieges mit den Sowjets und darüber hinaus das Symbol einer beginnenden Umweltbewegung wurde.