Wie der gute alte Macklemore mal sagte: “One man’s trash, that’s another man’s come up.”

Und genau das ist das Konzept des Umsonstladens: Was du nicht mehr möchtest, kannst du dort abgeben, und was andere nicht mehr möchten, kannst du dort abholen. Das Prinzip ist völlig unkompliziert (auch eins meiner Lieblingswörter). Du darfst dir außerdem unabhängig davon, ob du mit leeren oder vollen Händen kommst, was mitnehmen. Pro Tag bekommst du maximal fünf Gegenstände kostenlos. Zu den zusätzlichen Spielregeln wurde mir gesagt: „Für jeden weiteren Gegenstand wäre eine Spende von 0,10 € angemessen. Davon ausgenommen sind Schuhe, Taschen, Koffer, elektronische Geräte oder Kinderwagen, die mit einer Spende von 1€ mitgenommen werden können.“

Damit so ein Projekt überhaupt funktionieren kann, sind Spenden unerlässlich. Demnach muss man sagen, dass 0,10 € bzw. 1 € sehr großzügig sind, wenn man sich überlegt, dass damit die Stromversorgung, Reparaturen und vieles mehr finanziert werden. Am Tresen solltest du deswegen, bevor du den Laden verlässt und das Neuerworbene stolz präsentierst, zeigen, was du mitnehmen möchtest, und gegebenenfalls eine kleine (oder auch große) Spende dalassen.

Man tut nicht nur der Welt Gutes, indem man der Wegwerf- und Neukaufkultur entgegenwirkt, sondern auch sich selbst, denn gespartes Geld macht aus dir ’nen Helden (die Sloganbranche hat mich bereits abgelehnt, ich habe demnach nichts mehr zu verlieren). Wenn du also pro Umwelt und pro Kein-Geld-Ausgeben bist, ist der Umsonstladen genau das Richtige für dich. Dort findest du Kleidung, Schuhe, Geschirr, Spielzeug, Elektrogeräte, CDs, Hausrat, nette Leute (unter Umständen können auch die mitgenommen werden) und vieles mehr. Bitte bring keine VHS-Kassetten, Drucker oder defekte Geräte vorbei – abgesehen davon darfst du dich austoben. Die Lagerkapazitäten sind begrenzt, das heißt, dass du saisonbewusst sein und den Weihnachtspulli nicht im Frühling vorbeibringen solltest.

Den Umsonstladen des Postkult e.V. gibt es seit 2009. Damals befand er sich noch in der Zwingerstraße. Seit 2011 findest du ihn jedoch im Böllberger Weg 5. Der Laden ist an jedem Wochentag geöffnet und es ist stets jemand im Geschäft.

Den Postkult-Verein gibt es seit 2007 und ihm geht es um die kulturelle und kreative Bereicherung unserer Stadt, wobei er eine Plattform für Kreativität darstellt. Er wandelt leerstehende Gebäude in kreativ und sozial nutzbare Räume um und gestaltet die urbane Umwelt mit. Ein paar Projekte des Vereins sind neben dem Umsonstladen das Fahrradkino, der Stadthof Glaucha und das Bauwagenprojekt. Außerdem veranstaltet Postkult auch Workshops, Filmgespräche, Feste und Märkte. Die Veranstaltungen machen aber wie so ziemlich alles momentan ein Coronapäuschen. Das braucht uns aber nicht zu stören, denn umso mehr können wir uns auf das anstehende Comeback freuen!

Da der Umsonstladen ein ehrenamtliches Projekt ist, wird er von ehrenamtlichen Mitarbeitern am Leben gehalten. Zurzeit engagieren sich zwölf Ehrenamtliche im Umsonstladen. Dabei sind einige von ihnen Mitglieder des Postkult e.V.

Auch der Umsonstladen musste infolge des Corona-Lockdowns downlocken, ist momentan jedoch mithilfe eines Hygienekonzepts wieder für dich geöffnet. Eine Einlassbeschränkung, die maximal vier Besucher gleichzeitig erlaubt, ist Teil der Reaktion auf die aktuelle Situation. Über das Fenster kannst du weiterhin Dinge abgeben, sodass der Annahmeverkehr auch jetzt nicht behindert wird. Der Laden ist weiterhin gut besucht und mittlerweile hat man sich wohl allgemein auf die neuen Einkaufsmodalitäten eingestellt, sodass sie auch hier nicht als störend wahrzunehmen sind. 

Wenn dir nach Stöbern ist oder du wie ich während des Lockdowns zwei Drittel deiner Kleidung aussortiert hast, kannst du dem Umsonstladen doch mal einen kleinen Besuch abstatten. Pack doch gleich noch drei Freunde ein und vergesst eure Masken nicht!