Bars haben für mich diesen eleganten abendlichen Charakter; es fühlt sich dekadent und doch irgendwie gut an, mir einen fancy Cocktail zu bestellen und ihn nicht wie auf WG-Partys in der eigenen Küche selber zuzubereiten. Ich führte in Kneipen die besten Gespräche, habe interessante neue Leute getroffen und würde einen Barbesuch immer dem Clubbing vorziehen. Wie könnte eine Woche voller Bars in Halles Innenstadt aussehen? Ich habe mal etwas zusammengestellt...

Montag – The Connoisseur

Ebenso wie Garfield hassen wir alle den Beginn jeder neuen Woche, obwohl wir als Studenten eigentlich gar nicht auf Arbeit gehen müssen. Aber gegen Abend haben wir unsere Abneigung gegen die neue Woche wieder akzeptiert und tauschen unseren Kaffee gegen ein oder mehrere Biere ein. Bei den Chorespondenten, hieß es direkt das Montags-Chorbier und das bekam man nach der Probe am besten im Connoisseur. Also ab in die Kleine Ulrichstraße. Das Lokal präsentiert sich als Mix aus britisch anmutendem Pub und schummrig-uriger Raucherbar. Die tapezierten Wände zieren unterschiedlichste Fotos britischer Vereine und bekannten Personen; die Möbel setzen sich zusammen aus hölzernen Tischchen und  Sofas. Zudem wird man von Schottenrock tragenden Kellner:Innen bedient. Ebenso bunt zusammengewürfelt sind die Gäste: von Studierenden bis Arbeitende, die sehnsüchtig auf ihr Feierabendbier warteten, ist alles dabei. Auf der Karte entsprechen dem britischen Thema verschiedenste Sorten an hellem und dunklem Bier und eine Auswahl an Whiskey. Aber auch Wein- und Cocktailliebhaber:Innen kommen auf ihre Kosten. Bei unseren Besuchen wurden aus einem schnell mal zwei oder drei Pints, die den Nachhauseweg und den Blick auf die neue Woche schon etwas beschwingter werden ließen.

Felix Abraham Felix Abraham

Dienstag – Karaoke im Flower 2.0

Was Halle fehlt, ist so eine richtige Karaoke-Bar. Glücklicherweise bietet das Flower 2.0 einmal in der Woche einen Karaokeabend an. Funfact: Ein guter Freund ist mit einem Bärenkostüm reingekommen, aber ihm wurde der Eintritt verwehrt, als er einen Anzug trug. Also macht euch keine Gedanken um den Dresscode. Der Abend wird eingeleitet mit ein paar Drinks (und hier bietet das Flower eine echt große Auswahl) und dem besten Shot, den es in Halle zu finden gibt: der Apfelstrudel. Wir haben schon versucht, ihn zu Hause zu rekreieren, er ist niemals so gut geworden. Nachdem zimtige Süße unsere Kehlen benetzt, sind wir bereit für den ersten Song. Der Katalog ist allerdings dermaßen lang, dass schon die Einigung auf ein Lied ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen kann. Aber genau das ist der Knackpunkt: Die Karaokeprofis, die hier jeden Dienstag ihre Klassiker schmettern, haben bereits zehn Zettel mit ihren Songtiteln, Interpreten und Listennummern abgegeben und wir müssen jetzt drei Stunden warten, bis wir an der Reihe sind. Mit unseren Goldkehlchen beeindrucken wir jedoch alle Umstehenden mit unserer Version von Evanescence‘ „Bring Me to Life“ und bekommen die höchste Ehre des DJs: Gratis Pfeffi-Shots (die Veranstaltung hat Klasse und Charme). Da haben sich die darauffolgenden drei Stunden Warten auf unser nächstes Lied doch gelohnt.

Mittwoch – Zwei Zimmer, Küche, Bar

Bergfest! Und wir fühlen uns jetzt mal in einen richtig schönen Sommermittwoch hinein. Es ist nicht zu heiß, aber aber auch nicht zu kühl. Direkt am Reileck ist das 2ZKB. Hier stehen die Fenster weit offen, sodass wir zum einen das ruhige Ambiente der Bar genießen und doch am immer noch geschäftigen Stadtgewusel rings ums Reileck teilhaben können. Die Möblierung wirkt wie eine Zusammenstellung aus mehreren Wohnungsauflösungen und erinnert daher auf charmante Weise an eine Studenten-WG. Mit Cocktails und Shots macht man hier nichts falsch. Einige andere Gäste sitzen mit ihren Bierflaschen vorn im Außenbereich. Wir trafen noch einige Kommiliton*innen, die sich auf ein Bierchen zu uns setzten. Je mehr Leute, desto besser. Da hatte unsere Truppe direkt noch Lust Tischkicker im Innenbereich zu spielen. Dort verspielten wir einige 50 Cent-Münzen. So war es ein lustiger Ausklang des Mitwochabends.

Donnerstag – The Irish Fiddler

Die Woche kommt langsam so richtig in Fahrt, denn das lange Wochenende ist in Sicht. Zumindest war das bei mir als Ersti so. Damals legte ich meine Veranstaltungen immer extra so, dass Freitag zum Wochenende dazugehörte und ich nicht mit dröhnendem Schädel in einem 9 Uhr-Seminar dahinsiechen musste. Wer Freitag allerdings Uni hat und sich darum einen angenehmen, spaßigen Abend ohne Exzesse gönnen möchte, dem kann ich das Irish Fiddler empfehlen. Dort könnt ihr eine Vielzahl von unterschiedlichsten Bieren genießen; bekommt aber auch einige Snacks, wie z.B. Burger. So können wir gleich einem Drink auf leeren Magen vorbeugen. Zum regelmäßigen Pub-Quiz am Montag, bei dem ihr gegen verschiedene Teams wie z.B. den "Hot n Hühs" antreten könnt, und Bingo am Donnerstag gesellt sich ab und an noch Live-Musik im Abendprogramm. Vor allem mit meinen Erasmus-Freunden hatte ich hier tolle Abende. Selten habe ich eine so authentische Stimmung genossen.

Felix Abraham Felix Abraham

Freitag – Lujah

Freitag ist für mich ein typischer Mädelsabend und dazu passt nichts Besseres als bunte Cocktails. Meiner Meinung nach findet man die beste Auswahl im Lujah (wie der Connoisseur auch auf der kleinen Uli zu finden). Ich bleibe dabei lieber auf der Seite der Zitrusaromen, sprich Gin & Tonic und seine Freunde, während die anderen sich auch schon einen überaus cremigen (und riesigen!) Piña Colada oder Long Island Ice Tea gegönnt haben. Das Ambiente ist hier schlicht und modern. Hinter der Bar leuchtet verführerisch eine Ansammlung an Likörflaschen und Gin-Varianten. Wenn wir schon über Gin sprechen: Halle hat in Sachen Gin schon echt gute Angebote, aber hier kann man ihn tatsächlich ganz nach den eigenen Vorstellungen zusammenstellen. Beim Tonic weiß ich gerade noch, dass es für mich nicht zu bitter sein darf. Bei der großen Auswahl deutscher und britischer Gins muss ich zugeben, dass ich komplett lost bin. Es stehen jedoch äußerst hilfsbereite und höfliche Kellner:Innen mit Tipps zu allen Geschmacksaromen zur Seite. Ich liebäugele auch schon seit einiger Zeit mit den hier angebotenen Gin-Tastings.

Samstag – Potemkin

Heute glühen wir entweder zu Hause vor oder wir gehen ins Potemkin – wenn wir überhaupt einen Platz bekommen. An jedem Wochenende habe ich diese Bar brechend voll erlebt und nicht nur bei einer Gelegenheit haben wir hier keinen Platz mehr bekommen. Ich würde anhand dieser Beobachtung sagen, dass es die beliebteste Bar in Halles Innenstadt ist. Es ist eine Bar für die verschiedensten Gäste und Anlässe. Ich war hier schon auf Dates und habe mich mit meinen besten Freunden auf tiefsinnige Gespräche getroffen. Perfektes Ambiente! Wenn nicht gerade Lockdown ist, kann man sich hier zu jeder Jahreszeit treffen, denn der Außenbereich  bietet einfach den meisten Platz und die Heizpilze und Decken machen es sehr bequem. In den weichen Couches auf der Terrasse und in angeregte Gespräche verstrickt, haben wir schon oft die Zeit vergessen und ehe wir uns versahen, war es schon 2 Uhr und waren noch lange nicht müde.

Sonntag – Café Oberstübchen

Zum Glück erwartet niemand, dass ich sonntags produktiv bin. Der letzte Tag der Woche war schon immer zur Erholung von den Samstagnächten reserviert. Dafür bietet sich die Cafébar Oberstübchen perfekt an. So rafften sich ein paar Freunde und ich uns dann manchmal noch auf zu einer entspannten Runde Kaffee und Kuchen. Im Oberstübchen hat man ein lauschiges Plätzchen mit gemütlichem Innen- und Außensitz direkt am Reileck. Die Cafébar zeigt ihren Charme durch das coole Holzdesign. Sehr modern und gemütlich - perfekt für Sonntag Abende und auch mal länger zum Verweilen. Denn auch hier kann man leckere Cocktails genießen. 

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Thomas Bär Thomas Bär