#1 "Das Studieren wird die beste Zeit deines Lebens!"

Aber … I'm not gonna lie, die ersten Tage sind gruselig. Fremde Stadt, fremde Leute, fremde Wohnung, das ist ziemlich viel für den Anfang.

Und dabei war die Vorfreude so groß. Endlich zu Hause raus, raus aus der Kleinstadt, raus aus dem Kaff ohne Bahnstation und Breitbandanschluss. Raus aus dem elterlichen Nest, weil man jetzt unabhängig und selbstständig ist, sein Leben allein regeln kann und seine Eltern nicht mehr braucht, damit sie einem morgens die Brote schmieren. Nicht mehr um Erlaubnis fragen zu müssen, wenn man abends weg will, nicht mehr das essen zu müssen, was die Eltern einem vorsetzen, sondern selbst auf die fantastische Idee zu kommen, zwei Wochen lang Nudeln mit Pesto zu essen und sich danach kleinlaut einzugestehen, dass sie furchtbar und nicht fantastisch war. Aber vor Mama und Papa zugeben? Ja, auf keinen Fall.

[dramatische Musik]

Als eiserner Krieger stellt man sich der neuen Aufgabe, braucht keine Hilfe mehr, Anrufe wie "Mama, wie lang muss ich das Ei kochen, damit es so wird, wie ich's mag?", "Die Kartoffeln gebe ich ins kochende Wasser, oder?" und "Wofür ist eigentlich die zweite Kammer der Waschmaschine?" wird es nicht geben. Es gibt nur noch dich und die neu gewonnene Unabhängigkeit. Selbstbestimmt und unerschrocken wird jede Herausforderung in Angriff genommen, falls man Angst hat, wird sie nicht gezeigt.

[Musik aus]

So der Plan.

Der Umzug ist durch, die Kisten stehen gestapelt im Zimmer, der Schrank hat schon die erste Schramme und die mobilen Daten sind zur Hälfte aufgebraucht. Die ersten Nudeln in der eigenen Wohnung schmecken nach Freiheit.

In der Orientierungswoche stolpert man plötzlich zwischen einer Million anderen Studierenden über den Hauptcampus, schiebt sich von einem aufgebauten Stand zum nächsten, riecht von irgendwo Waffeln und drängt sich in einen bereits viel zu vollen Hörsaal im Audimax, um etwas über Zeitmanagement oder das Zusammenstellen von Bachelorstundenplänen zu lernen. Weg ist das überschwängliche Gefühl von Stolz und Autonomie.

Wenn nach ewig scheinender Suche noch ein freier Platz im Hörsaal gefunden ist und zielstrebig angesteuert wird, bleibt nur noch eins zu tun: die Person daneben zu fragen, ob man sich setzen darf. Klassische Win-win-Situation: eine höfliche Frage, die alle Eltern stolz macht, und gleichzeitig ein Aufhänger, um mit der Person ins Gespräch zu kommen. Soziale Interaktion: check!

Es wird ein bisschen leichter, wenn die Vorlesungen und Seminare anfangen. Alle im Raum studieren zumindest teilweise das Gleiche, einige Gesichter wird man also wiedersehen. Oh Schreck!, denkt sich da der eine oder andere vielleicht, ich weiß gar nicht, ob ich diese neuen Menschen mag! Ja, das weiß man selten auf Anhieb. Leider steht den Leuten nicht auf der Stirn geschrieben: "Wir sind zu 87 Prozent freundschaftskompatibel", deswegen muss man sie noch auf die altmodische Art und Weise kennenlernen. (Auch hier gern wieder auf den guten alten "Darf-ich-mich-setzen?"-Trick zurückgreifen! Der Erfolg ist garantiert. Spaß! Wenn ihr eine Garantie wollt, kauft euch einen Toaster (//Filmzitat "Rooky").