#2 "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!"

Reden ist überhaupt kein Silber, Reden ist Gold. Reden ist Gold wert, wenn man allein ist und niemanden kennt – auch, wenn man glaubt, zu spät dran zu sein, weil sich schon Grüppchen gebildet haben. Es ist nie zu spät, jemanden anzusprechen. Ganz selten gibt es ein Exemplar, das denkt: „Ich bin ganz allein in einer fremden Stadt, kenne niemanden, muss mit keinem Menschen sprechen, gehe zu keiner Erstiparty? Wie geil ist bitte mein Leben?!“ Solltet ihr doch an genau diese Person geraten, werdet ihr das sicher schnell merken und könnt euch auf der Suche nach Anschluss noch umorientieren. Oft hat man Angst, zu einer Gruppe zu gehen, weil man das Gefühl hat, sie sei schon komplett, geschlossen, nicht mehr offen für neue Mitglieder, die Subscribefunktion ist grau hinterlegt. Aber wie würde man sich selbst verhalten, wenn man schon mit einer Person auf der Treppe vor dem Juridicum in der Sonne sitzt und eine dritte aus eurem Kurs dazukommt und fragt, ob sie sich setzen kann? Auch da ist folgender Gedankengang eher selten: „Obacht, eine fremde Person aus meinem Kurs! Ich habe doch hier bereits einen ganz ausgezeichneten sozialen Kontakt gefunden, wozu benötige ich einen zweiten! Hinfort mit dir, du Knilch!“

#3 "Behandle andere stets, wie du selbst behandelt werden möchtest!"

Nein, im Ernst. Wer selbst dankbar wäre, mit „aufgenommen“ zu werden, der wird sicher auch selbst jemanden aufnehmen. Es geht doch den anderen ganz genauso, auch wenn man nicht jedem seine Unsicherheit ansieht. Und manchmal reicht so ein Moment aus, um eure komplette Studienlaufbahn zu prägen. Wenn nicht, ist das aber auch völlig in Ordnung! Man muss nicht sofort seine neuen BFFDKSUBZEMC** finden, es ist auch okay, sich einfach mit seinen Kommilitoninnen und Kommilitonen gut zu verstehen und lose Bekanntschaften zu haben. Um gemeinsam in die Mensa zu gehen, reicht's, aber auf den Kindergeburtstag würde man sich jetzt nicht gegenseitig einladen. Kein Problem. Der Stein muss erst einmal ins Rollen gebracht werden, wie schnell er dann rollt, liegt ganz bei euch.

Bis dahin kann sich die Anfangszeit so anfühlen wie die zwei Wochen in der siebten Klasse, als euer bester Freund oder eure beste Freundin krank zu Hause war und euch kaltherzig im Stich gelassen hat. So ein Verrat sitzt tief. Nur kann man jetzt nicht nach Hause gehen, den Ranzen in die Ecke werfen und sich ein Nutellabrot machen, weil man a) (hoffentlich) keinen Ranzen mehr hat, b) erst Brot kaufen muss und c) der Mitbewohner oder die Mitbewohnerin das Nutellaglas in den Kühlschrank gestellt hat. Alles muss man selbst machen. Erwachsen sein ist anstrengend.Das alles hat aber ein Ende, keine Sorge. Und auch der hilflose Anruf bei den Eltern, weil sich die Sachen in der Waschmaschine verfärbt haben, ist okay. Oder weil man das Badregal nicht aufgebaut bekommt. Oder weil man nicht weiß, wie viel Kaffeepulver man in den Filter geben muss. Alles in Ordnung. Been there, done that. Der Küchenabreißkalender eurer Eltern würde jetzt sagen:

#4 "Man wächst an seinen Aufgaben."

Und wir alle wissen, dass Küchenweisheiten nicht lügen.

Unsicherheiten, Selbstzweifel, alles völlig normal. Das geht vorbei, wenn man mit der neuen Umgebung und Situation warm geworden ist. Manchmal braucht das seine Zeit, aber wenn man die zwei Horrorwochen in der siebten Klasse überstanden hat, kriegt man auch die erste Zeit an der Uni rum. Nutzt die Zeit allein auch ruhig mal aus. Wer weiß, wann man wieder die Chance hat?

#5 "Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende!"

Küchenweisheiten. Man muss sie einfach ironisch abkulten.


** Besten Freunde für das komplette Studium und bis zur ersten Midlife-Crisis. Ich versteh die Frage nicht?