Es wird der altbewährte Lösungsweg eingeschlagen: Nicht verzagen, Google fragen. Die Suche nach „WG oder allein wohnen“ ergibt eine Menge Treffer. Diese zu durchforsten, kann manchmal genauso lange dauern wie einer dieser Post-Abi-Serienmarathons. Wenn du nicht weißt, was ich meine, wirst du es bald wissen. Damit du in dieser Informationsflut nicht untergehst und dir die Zeit für Netflix aufheben kannst und natürlich auch, weil ich so unglaublich gern unaufgefordert Tipps gebe und Lifehacklisten mache, habe ich ein paar Kriterien herausgepickt, die dir ein wenig bei der Entscheidung helfen könnten.  

Punkt 1: MitbewohnerInnen

Fangen wir mit dem Wichtigsten an: den Mitbewohnern und Mitbewohnerinnen.
Kannst du mit denen nicht, kannst du alles in die Tonne kloppen. Lustigerweise kenne ich auch Fälle, in denen das Sich-nicht-Mögen gut geklappt hat. Jeder hielt sich an seine Regeln, um möglichst wenige (Konflikt-)Gespräche mit dem anderen führen zu müssen. Für diejenigen, die Interesse an einer „Zweck-WG“ haben und keine Spieleabende und gemeinsamen Abendessen suchen, sind mürrische MitbewohnerInnen also möglicherweise gar kein No-Go.
Du möchtest jedoch, dass dein Leben sich wie eine niemals endende Übernachtungsparty anfühlt? Dann sind die richtigen MitbewohnerInnen das A und O. Ob man sich nun dazu entscheidet, mit guten Freunden oder Freundinnen zusammenzuziehen oder neue Menschen auszutesten: Die Chemie muss stimmen.
Das Problem einer sozialen WG: Es kann sein, dass weniger Verständnis dafür besteht, wenn man sich mal zurückziehen möchte, und schnell Eifersuchtskonflikte oder Aufmerksamkeitsdefizite entstehen.
Der Vorteil einer Zweck-WG: der Zweck. Man spart Geld, macht sein Ding und schuldet niemandem Aufmerksamkeit. Der Nachteil einer Zweck-WG: Mit jemandem zusammenzuwohnen, dem man nicht wirklich nah ist, kann für diejenigen, die viel Wert auf ihre Intim- und Privatsphäre legen, zum Problem werden. Es kann sein, dass man sich nie richtig zu Hause fühlt und ständig das Gefühl hat, sich irgendwie sozialadäquat benehmen zu müssen. Wie wahrscheinlich das ist, hängt wiederum von Punkt 2, der Wohnung, ab. Viel Platz schafft gesunden Abstand und dient als Puffer.
Mit den Besten auf engem Raum zu wohnen, geht auf die Dauer aber leider auch oft schief. Laut einer selbst erfundenen Studie enden gute Freundschaften, die in kleine Räume gezwängt werden, in 77,93 % der Fälle. Tatsächlich passiert das nicht ganz so selten, wie man sich das erhofft, und das sollte man sich, wenn möglich, natürlich ersparen.
Letztendlich kann man im Voraus einfach nie wissen, ob eine Freund- oder Fremdschaft das gemeinsame Wohnen übersteht, aber eine sorgfältige Auseinandersetzung mit der Wahl der MitbewohnerInnen ist unerlässlich.

Punkt 2: Die Wohnung

Wir sind in Halle. Glücklicherweise kann man hier große Wohnungen für wenig Geld mieten (das sage ich mit Blick auf die Mietpreise Berlins oder Münchens). Eigene Zimmer für alle Insassen und gegebenenfalls ein Extrawohnzimmer sind nicht utopisch. Sollte man sich also Sorgen wegen des Aufeinanderhockens machen, kann man dort seine Priorität setzen und dafür ein bisschen tiefer in Mamis Geldbeutel greifen. Das gleiche Argument spricht auch für das Alleinwohnen. In anderen Städten können viele eine Wohnung allein gar nicht finanzieren – in Halle kein Problem. Genügend Platz hast du bei beiden Optionen. Trotzdem kann man sich gemeinsam mit anderen natürlich eine größere Wohnung leisten und alle Kosten teilen: ist halt einfach günstiger.

Punkt 3: Aufgabenverteilung

Du musst nicht alles allein machen, wenn du in einer WG wohnst. In einer WG kann man sich gegenseitig unterstützen und sich gegenseitig Aufgaben abnehmen. Wer gerade Zeit und Lust hat, kümmert sich (dies gilt für WGs mit guter Kommunikation und hilfsbereiten Mitbewohnern und Mitbewohnerinnen). Wohnst du allein, hast du deine Ruhe, deine eigenen Regeln, die niemand missachten kann, du musst aber auch alles allein machen. Wer gern unabhängig und eigenständig ist, ist allein gut aufgehoben, aber für andere mag es vor allem am Anfang etwas viel sein.

Punkt 4: Kontakte knüpfen

Wer mit anderen zusammenwohnt, knüpft schneller passive Kontakte. Man lernt die Freunde der MitbewohnerInnen kennen und gegebenenfalls auch deren Freunde und Freundinnen. Man wird schnell mal irgendwohin mitgeschleift. Wer allein wohnt, muss im Gegensatz dazu aktiv werden. Natürlich knüpft man auch als WG-Mensch eigenständig Kontakte und bekommt sie nicht einfach auf Wunsch ins Zimmer gebeamt, aber man ist grundsätzlich selten so richtig allein. Wenn du aber gern allein bist, spricht gerade das gegen eine WG.

Punkt 5: Selbstverwirklichung

Lebst du allein, hast du die Kontrolle. Die Einrichtung, die Sauberkeit, das Programm … Alles richtet sich nach dir. Du kannst alles so machen, wie du es gernhast, und musst keinerlei Kompromissbereitschaft zeigen. Währenddessen lernt man in einer WG, Kompromisse einzugehen, was im Umgang mit anderen Menschen angeblich wichtig sein soll ... Das Zusammenleben mit anderen Menschen will gelernt sein.

Punkt 6: Wlan

Wohnst du ganz allein, ist das WLAN nur dein. Seid ihr zu viert, das WLAN erfriert. Mehr muss ich dazu, glaube ich, nicht sagen.

Letztendlich

...musst du wissen, worauf du am meisten Wert legst. Bist du lieber allein, auf dich selbst gestellt, legst du viel Wert auf Ruhe oder brauchst du viel Gesellschaft, lernst du gern von anderen und liebäugelst mit Arbeitsteilung im Haushalt? Wie es ist, allein zu wohnen, kann man sich gut vorstellen. WG hingegen ist nicht immer gleich WG und wie das Wohnen mit anderen ist, hängt sehr vom Einzelfall und den oben genannten Aspekten ab. Wichtig ist es auch, zu wissen, dass keine Entscheidung in Stein gemeißelt ist. Du kannst immer umziehen. Zwar sind Umzüge, wie du merken wirst, zeit- und kostenaufwendig, aber meiner Meinung nach ist ein Zuhause, in dem man sich wohl-fühlt, ein absolutes Muss.