Eine dieser Grenzen lautet wie folgt: Bring nicht jede Woche einen neuen Lover mit nach Hause, das ist hier schließlich kein Airbnb. Und wenn doch, wollen wir endlich unseren Anteil haben. Und zwar pronto, compadre.

Sich Menschen auf der Suche nach der großen Liebe in den Weg zu stellen birgt natürlich eine gewisse, nicht zu relativierende Gefahr. Aber sind wir doch ehrlich, letztendlich droht ihr nur im Kugelhagel vollgeflennter Taschentücher unterzugehen, weil es eben doch wieder nicht die große Liebe war. Und weil ihr herzensgute und empathische Menschen seid, steht ihr natürlich tröstend und Eis holend zur Seite. Und das so ziemlich jede Woche. Werden doch ihre Herzen eher gebrochen als dass sie welche brechen.

Doch was bedeutet das für euch?

Die WG muss ständig vorzeigbar aussehen. Man weiß schließlich nicht, wann das nächste Date mit nach Hause gebracht wird.

Es ist immer Eis im Haus. Und Schoki. Könnte schlimmer sein.

Eure Smalltalk-Skills leveln jede Woche hoch, weil ihr euch ständig fremden Gesichtern beim Frühstück konfrontiert seht.

Ihr müsst eine Hose anziehen, wenn ihr euch unwürdig neun Uhr abends noch eine Schüssel Cornflakes aus der Küche holen wollt. Euch könnte schließlich jemand im Flur begegnen, dem ihr in dem emotional angreifbaren Zustand vielleicht nicht begegnen wollt. Aber das liegt ganz bei euch.

Eure Kreativität steigt gleichermaßen an wie eure Smalltalk-Skills. Ihr liefert Ideen, wie die Tinder-Bio aktualisiert und die neuste Flamme bezirzt werden soll, ihr werdet als FotografIn für neue Profilbilder ausgenutzt und müsst euch eine plausible Ausrede einfallen lassen, warum ihr die Dates prinzipiell nur noch mit Ingo oder Mandy ansprecht. (Im Ernst, das spart enorm viel Hirnkapazität.)

Diese MitbewohnerInnen brauchen viel Verständnis und Zuwendung, aber auch Grenzen. Lasst euch nicht von ihren traurigen Augen brechen und knickt nicht ein! Aber denkt beim nächsten Einkauf an eine neue Taschenbücherbox, kauft eine extra Packung Milch und vergesst bloß das Eis nicht. Spätestens übermorgen klopft die nächste große Liebe an die Tür und wer weiß schon, ob die ihren Kaffee mit Milch mag.